51.346 Reise-Artikel
 Versandkostenfrei ab € 19,-
 14 Tage Rückgaberecht
 Höchste Qualität seit 1770
Juni 24, 2021

Segeln ans Ende der Welt

Claudia und Jürgen Kirchberger von "fortgeblasen" haben ein Faible für kalte Regionen und waren mit ihrem Segelboot in der Antarktis, also quasi "am Ende der Welt" unterwegs. Wir haben von ihnen ein paar spektakuläre Eindrücke bekommen, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Wenn ihr noch mehr Inspiration sucht, können wir ihr Buch "Die magische Anziehungskraft des schwer Erreichbaren" wärmstens empfehlen.

Claudia und Jürgen Kirchberger von  ©Claudia und Jürgen Kirchberger

Claudia und Jürgen Kirchberger von fortgeblasen

Vorbereitung auf ein Abenteuer ans Ende der Welt 

Abenteuer ist das Resultat von schlechter Planung“ so oder so ähnlich hat der berühmte Arktis-Explorer Roald Amundsen einmal geschrieben. Aber so gut wir unsere Segelreise planen, zu zweit auf einem kleinen Segelboot bis in die Antarktis zu reisen, um dort mehrere Monate zu verbringen, es wird wohl immer ein Abenteuer bleiben.

Unsere letzten Vorbereitungen treffen wir auf den Falkland Inseln. Kistenweise Obst und Gemüse wird zum Steg geliefert. Alles muss peinlich genau auf Druckstellen und Fäulnis kontrolliert und so an Bord verstaut werden, dass es möglichst lange haltbar bleibt. Die kommenden drei Monate werden wir keine Möglichkeit haben, schnell mal eben etwas Frischzeug zu kaufen.

Was wir nicht mitbringen werden wir auch nicht haben. Und so sind alle Schapps an Bord gefüllt mit selbstgekochten Konserven, unzähligen Kilo Reis und Nudeln, mit Bohnen, Mehl, Müsli und was wir sonst noch auf den Falkland Inseln ergattern konnten.

Ein letztes Mal füllen wir die Trinkwassertanks, dann sind alle Vorbereitungen erledigt und wir können los. Vor uns liegt der unbarmherzigste Wasserweg der Welt: die Drake Passage. Es ist die Meeresenge zwischen dem berüchtigten Kap Hoorn von Südamerika und der nördlichsten Spitze der Antarktis. Hier treffen der Atlantik und der Pazifik zusammen und verlieren sich im antarktischen Ozean.

Pinguine Antarktis ©Claudia und Jürgen Kirchberger

„Abenteuer ist das Resultat von schlechter Planung“

Pinguinwanderung ©Claudia und Jürgen Kirchberger

 

Der ständige gefiederte Wegbegleiter ©Claudia und Jürgen Kirchberger

Atemberaubende antarktische Landschaft ©Claudia und Jürgen Kirchberger

Zerklüftete gigantische Eisberge und schneeverwehte Berge

Wir tauchen ein in das graue Blau der Drake Passage und arbeiten abwechselnd an den Segeln. Fünf Meter hohe Wellen erzählen von Sturm westlich von uns. Wie endlos diese Graubärte wohl unterwegs sind? Immerhin gibt es in diesen Breiten kein Land mehr. Diese Wellen können sozusagen rund um die Welt ziehen und erneut die Drake Passage erreichen. So oft sie wollen und solange sie nicht von ihrer eigenen Reibung aufgefressen werden. Was für ein Gedanke: Hier gibt es rund um den Erdball kein Land mehr!

Fünf Tage arbeiten wir in Schichten. Zu jeder Tages- und Nachtzeit muss einer von uns beiden Wache auf Deck stehen. Nur so können wir sichergehen, nicht aus Unachtsamkeit mit einem Eisberg zu kollidieren. Es ist kalt, doch der Dieselofen bleibt abgedreht. Wir haben keinen überschüssigen Diesel an Bord und müssen sparsam damit umgehen.

Mit jeder Seemeile in den Süden werden die Tage länger, dann geht die Sonne nicht mehr unter. Die Eisberge werden mehr und der Himmel klart auf. Gegen Mitternacht wird die kalte Welt in die warmen Farben der Abendsonne getaucht – gelb und orange leuchtet der Himmel, während die ersten schneeverwehten Berge rosa scheinen.

Atemberaubend reizvoll ist der erste Anblick dieses Landes. Zerklüftete, gigantische Eisberge treiben in Richtung Ozean, dahinter erheben sich schneebedeckte Berge. Die Sonne steht tief, wärmt mein Gesicht. Irgendwann verschwindet sie für zwei, drei Stunden hinter einer Bergkette. Wale ziehen an unserem Segelboot vorüber. Auch sie kommen wahrscheinlich gerade von einer langen Reise.

Antarktis-Karte Wirtschaft ©freytag & berndt

Antarktis-Karte ©freytag & berndt (zum Vergrößern bitte klicken)

Willkommen in der Antarktis

„Wer aus Lust zur See fährt, fährt aus Laune zur Hölle“ sollen die alten Seefahrer einst behauptet haben. Doch nun liegt die Drake Passage hinter uns. Wir haben die Hölle unbeschadet überquert und ein bizarres Paradies auf Erden gefunden: Willkommen in der Antarktis!

Langsam ziehen wir von einer Insel zur nächsten, ankern in eisigen Buchten und marschieren über kaltes, einsames Land. Kalt? Sicherlich. Einsam? Wohl kaum. Immer wieder erreichen wir die Brutplätze der Pinguine. Wie hier auf Cuverville Insel.

Um die fünftausend Paare Eselspinguine ziehen ihre Jungen in Cuverville auf, die Nestarbeiten laufen auf Hochtouren. Jeder Felsen, der aus dem Schnee ragt, ist mittlerweile mit einem Nest belegt. Wir mischen uns vorsichtig unters Volk, bedacht, niemanden zu erschrecken und die Kolonie auf keinen Fall zu stören. Doch Abwechslung scheint den Pinguinen willkommen zu sein: Neugierig werden wir in dieser Nachbarschaft als erfreuliche Attraktion behandelt. Man schwimmt um uns herum, springt in der Bugwelle des Beiboots, bestaunt und kontrolliert die Ankertrosse.

Antarktische Morgenröte ©Claudia und Jürgen Kirchberger

Sonnenuntergang Antarktis ©Claudia und Jürgen Kirchberger

Zerklüftete Eisberge in der Antarktis ©Claudia und Jürgen Kirchberger

Begegnungen an Land: Zwischen Eselspinguinen, Pelzrobben und Antarktisforschern

Kaum stehen wir an Land, läuft uns der erste reizende Geselle entgegen. Aus lauter Aufregung stolpert er über seine eigenen, roten Füße und landet auf dem Bauch im Schnee. Schon ist er erneut auf den Beinen. Die Flügelstummel aufrecht nach hinten gestreckt, watschelt er uns nun etwas vorsichtiger entgegen. Wir bleiben stehen. Vorsicht, vielleicht will uns der kleine Eselspinguin ja heroisch von seinem Nest vertreiben. Doch schon bald steht fest, hier geht es nicht ums Vertreiben. Hier geht es ums Kennenlernen!

In den kommenden drei Monaten werden Pinguine nicht unsere einzigen Begegnungen bleiben. Inmitten eines gefrorenen Landes leben wir zwischen Pelzrobben und Seehunden, zwischen Raubmöwen und Seeleoparden. Wir teilen uns die antarktischen Wasserstraßen mit Walen und Seeelefanten und treffen an Land auf Antarktisforscher und Kreuzfahrer aus aller Herren Länder!

Begegnungen an Land ©Claudia und Jürgen Kirchberger

Segeln in der Antarktis ©Claudia und Jürgen Kirchberger

Robbe chillt in der Antarktis ©Claudia und Jürgen Kirchberger

Mehr Infos auf www.fortgeblasen.at